Dortmund, 02.04.2017, von Till Herrmann

Einsatz Wohnhausexplosion beendet

Der Einsatz des Technischen Hilfswerks in der Teutonenstraße in Dortmund-Hörde ist beendet. Über drei Tage waren in der Spitze bis zu 120 THW-Einsatzkräfte vor Ort. Die vermisste Bewohnerin des Hauses konnte einen Tag nach dem Ereignis nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Im weiteren Verlauf konzentrierte sich die Arbeit des THW auf die Sicherung der einsturzgefährdeten Gebäude. Dazu mussten sehr umfangreiche Abstützarbeiten des teilzerstörten und der daran angrenzenden Gebäude durchgeführt werden.

Das Gebäude, in dem sich die Explosion ereignete, war ab dem 1. Obergeschoss eingestürzt

Am Freitagmorgen kam es zu einer Explosion in einem Dortmunder Mehrfamilienhaus. Dabei wurden mehrere Menschen teils schwer verletzt. Eine Frau galt lange Zeit vermisst. Sie konnte nach ihrem Auffinden letztendlich nur noch aus den Trümmern geborgen werden. Die oberen Stockwerke des direkt betroffenen Hauses stürzten bei der Explosion komplett ein. Auch die angrenzenden Häuser wiesen gravierende Schäden auf, sodass weiter akute Einsturzgefahr bestand.

 

 

Die Suche nach der Vermissten

Bei der Suche und Rettung der vermissten Frau mussten Technisches Hilfswerk und Feuerwehr Dortmund extrem vorsichtig vorgehen. Um die Gefahr für die Einsatzkräfte durch einen weiteren Einsturz zu reduzieren, setzte das Technische Hilfswerk zwei Einsatzstellen-Sicherungssysteme (ESS) auf der Vorder- und Rückseite der Häuserreihe ein. Dieses System überwacht schon kleinste, für den Menschen oft unbemerkbare, Bewegungen an den Gebäuden und kann die Einsatzkräfte so frühzeitig warnen.

Die eingesetzten Rettungshunde, der Fachgruppe Ortung aus Unna und der Feuerwehr Iserlohn schlugen nicht an. Das Handy der Betroffenen konnte allerdings über die Funkzelle am Schadenort lokalisiert werden, weshalb weiterhin intensiv nach der Verschütteten gesucht wurde. Die Suche konzentrierte sich inbesondere auf die Bereiche der ehemaligen Wohnung, in denen sie zuletzt vermutet wurde.

Durch den Einsturz des Gebäudes komprimierten und schichteten sich die Decken der zerstörten Räume auf dem Boden des 1. Obergeschosses. Die Einsatzkräfte zählten die einzelnen Schichten und konnten so behutsam Trümmerteile entfernen, bis sie zur Wohnung der Verschütteten vorgedrungen waren. Mit einer Searchcam wurden Hohlräume in den Trümmern erkundet. Größere Trümmerteile konnten mittels Teleskopmast und dem Greifaufsatz des Ladekrans der Fachgruppe Wassergefahren entfernt werden. Die letzten Deckenbohlen wurden daraufhin gelöst und äußerst vorsichtig per Hand abgetragen. Eine Rettung der Verschütteten war jedoch nicht mehr möglich.

Für die Beräumung der Trümmer auf den Zufahrtswegen wurde außerdem das multifunktionale, schwere Bergungsräumgerät vorgehalten.

Während der gefährlichen Rettungsarbeiten wurden zwei Helfer des Technischen Hilfswerks leicht verletzt. Einer davon wurde ins Krankenhaus gebracht, konnte dieses nach ambulanter Behandlung aber wieder verlassen. 

Abstützen der einsturzgefährdeten Gebäude

Parallel zur Suche begannen die eingesetzten Bergungsgruppen mit Hilfe des Einsatz-Gerüstsystem (EGS) Abstützungen in den Wohnungen der angrenzenden Gebäude zu installieren. Zur Sicherung der Gebäude entschieden die Baufachberater des THW ein Sprengwerk einzusetzen. Das ist eine Holzkonstruktion aus dem Abstützsystem Holz (ASH), die zwischen die Giebel der angrenzenden Häuser eingespannt wurde, um deren Stabilität zu erhöhen. Der Autokran der Feuerwehr Dortmund hob anschließend die tonnenschwere Konstruktion zwischen die Giebel.

Um das Sprengwerk in seiner Position zu halten wurden zusätzlich so genannte Ankerstangen von Keller bis Dachgeschoss durch die angrenzenden Gebäude getrieben. Diese waren nötig, um das Sprengwerk fest mit einer stabilen Konstruktion auf der anderen Seite der Giebel verschrauben zu können. Der extrem aufwendige Einsatz forderte selbst die Arbeitsmittel des THW so stark, das nach stundenlangem Bohren mehrere Bohrmaschinen ersetzt werden mussten. Pragmatisch konnten in der Unterkunft die vorhandenen Standardbohrer durch Unterstützung der Schirrmeisterei auf die benötigte Länge verlängert werden.

Die kräftezehrenden Arbeiten gingen dementsprechend auch nicht spurlos an den bereits mehrfach ausgetauschten Einsatzkräften vorbei. In Abstimmung mit der Feuerwehr Dortmund wurden die Arbeiten an der Schadenstelle in der Nacht von Samstag auf Sonntag für rund zwölf Stunden unterbrochen. Während dieser Zeit verblieb eine kleine Anzahl an THW-Helfern für den Betrieb der ESS und Lichtmasten an der Einsatzstelle.

Am heutigen Sonntag konnten die Restarbeiten für das Sprengwerk dann innerhalb kürzester Zeit vollendet werden. Während der Autokran das Sprengwerk freigab, das aus Sicherheitsgründen noch über den gesamten Zeitraum gehalten wurde, überwachten die ESS weiterhin die Gebäude. Die Konstruktion hält. Nach der finalen Abnahme konnte dann auch der Gesamteinsatz für das Technische Hilfswerk beendet werden.

Unterstützung der Arbeiten an der Schadenstelle

Während der oben genannten Arbeiten gab es über die gesamte Einsatzdauer weitere Maßnahmen des Technischen Hilfswerks. Die Fachgruppe Führung/Kommunikation übernahm die Koordination der THW-Kräfte und der Feuerwehr Iserlohn im Einsatzabschnitt III der Feuerwehr Dortmund.

Die Fachgruppe Logistik verpflegte in Zusammenarbeit mit dem OV Koch bis zu 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Rettungsdienst, Notfallseelsorgern, Polizei und Tiefbauamt mit mehreren Mahlzeiten am Freitag und Samstag. Daneben sorgte der Materialerhaltungstrupp für die mobile Kraftstoffversorgung der Feuerwehrfahrzeuge und der Stromerzeuger-Anhänger.

Diese hatte das THW vor und hinter den Gebäuden aufgestellt, um mit deren Lichtmasten die Einsatzstelle auch während der Nacht taghell auszuleuchten und die Stromversorgung für die Einsatzmittel sicherzustellen.

Eine weitere Kernkompetenz des THW kam mit dem Materialtransport zum Einsatz.

THW-Spezialisten aus der ganzen Region

Im Einsatz befanden sich Kräfte aus insgesamt 14 THW-Ortsverbänden:

Geschäftsführerbereich Dortmund - LuK-GSt 

  • OV Dortmund - B (EGS), Bel, R, W (Lkr), Log, FK, LuK-OV
  • OV Iserlohn - Bel
  • OV Lüdenscheid - B (EGS)
  • OV Lünen - B2 (EGS)
  • OV Kamen-Bergkamen - B1 (ASH)
  • OV Unna-Schwerte - B (EGS), O (biologisch & technisch)

 

Geschäftsführerbereich Bochum 

  • OV Bochum - Baufachberater
  • OV Hattingen - B1 (ASH)
  • OV Remscheid - ESS
  • OV Witten - B (Verankerung), Baufachberater
  • OV Wuppertal - Materialtransport

 

Geschäftsführerbereich Gelsenkirchen

  • OV Gelsenkirchen - B1

 

Gechäftsführerbereich Mönchengladbach

  • OV Hückelhoven - Baufachberater

 

Geschäftsführerbereich Münster

  • OV Beckum - ESS

 

Der Ortsverband Dortmund dankt allen beteiligten, ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden, auch im Namen der Feuerwehr Dortmund, für die kräftezehrende aber sehr professionelle Arbeit.


  • Das Gebäude, in dem sich die Explosion ereignete, war ab dem 1. Obergeschoss eingestürzt

  • Aus der Luft zeigt sich das gesamte, flächenmäßige Ausmaß der Explosion (Quelle: Feuerwehr Dortmund)

  • THW und Feuerwehr heben das vorbereitete Sprengwerk an

  • Das Sprengwerk wird zum Autokran transportiert

  • Ein zweites, bereits vorbereitetes Sprengwerk wird wieder demontiert

  • Der Autokran hält das Sprengwerk in Position, bis es endgültig stabilisiert ist

  • THW-Helfer bringen Stützen in den Wohnungen der Nachbargebäude an

  • Ankerstangen wurden vom Keller bis zum Dachboden durch die Decken der benachbarten Häuser getrieben

  • Auf den Dachböden der benachbarten Häuser wurde eine Konstruktion errichtet, um das Sprengwerk auf der anderen Seite der Wand zu stabilisieren

  • Der Materialerhaltungstrupp füllt den Tank der Stromerzeuger wieder auf

  • Die vermisste Bewohnerin konnte nur noch geborgen werden

  • Auch die Dächer der gegenüberliegenden Häuser wurden beschädigt (Quelle: Feuerwehr Dortmund)

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