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Die Geschichte des Ortsverbandes Dortmund


An dieser Stelle die Rede unseres Ortsbeauftragten Peter Weiler zur 50 Jahr Feier des OV Dortmund in unveränderter Form:
Die Frage nach dem Tage der Geburt des THW- Ortsverbandes Dortmund ist so ganz einfach gar nicht zu beantworten.
Wenn wir heute (im Jahre 2006) exakt 50 Jahre zurückgehen, dann hatten die Mitarbeiter dieses Ortsverbandes bereits den ersten, damals übrigens sehr erfolgreichen Auslandseinsatz hinter sich – Hilfe bei der Flutkatastrophe in den Niederlanden. Erfolgreich unter mehreren Blickwinkeln: Bitte erinnern Sie sich, der 2. Weltkrieg war noch nicht ganz so lange beendet, da fuhren Deutsche in die Niederlande und halfen der dortigen Bevölkerung, was den ein oder anderen Niederländer, der den Krieg bewusst miterlebt hatte, angenehm berührt hat. Von sonstigen Erfolgen bei der Rettung von Menschenleben und Sachwerten will ich gar nicht sprechen. Die THW- Männer konnten helfen, sie waren trainiert, sie hatten Know How und sie hatten den unbedingten Willen zur uneigennützigen Nachbarschaftshilfe.
Ganz alte Spuren finden sich in den Analen der Gründungsgeschichte der Bundesanstalt THW. Vorbereitende Sitzungen waren u.a. in den Trümmern der Westfalenhalle. Ergebnis dieser Beratungen war am 22. August 1950 der Auftrag des damaligen Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer an seinen Innenminister Dr. Gustav Heinemann, eine freiwillige, technische Selbsthilfeorganisation aufzustellen.
Diese Organisation erhält 1951 die Bezeichnung „Technisches Hilfswerk“ und wird mit dem Errichtungserlass von 1953 zur Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, wird seit 1958 in das Bundesamt für Zivilen Bevölkerungsschutz eingegliedert übrigens bis zum 31. Dezember 1992. Ab dem 1. Januar 1993 wurde das THW selbständig als eigene Bundesoberbehörde.
Und damit sind wir wieder beim Ortsverband Dortmund, der am 15. Juli 1951 nach neuer Zählweise das berühmte Licht der Welt erblickte, weil an diesem Abend die erste Helferversammlung durchgeführt wurde. Danach kamen die berühmten recht mühsamen administrativen Vorgänge, die schließlich dazu führten, das Dortmund als 25. Ortsverband in NRW registriert wurde und am 4. Juli 1952 seinen Dienst auch tatsächlich aufnahm. Walter Kruse wurde Ausbildungsleiter, Albert Carstensen Kassenwart, Fritz Preuß und Friedrich Drewing waren als Gründungsmitglieder unter vielen Anderen dabei. Als Geschäftsführer, das ist übrigens die Organisationseinheit, die das ehrenamtlich tätige Personal in verwaltungsmäßiger Hinsicht unterstützt, wurde Kamerad Hotzel und als Ortsbeauftragter (also als Chef der Ehrenamtlichen) Dipl.- Ing Beil, dem Otto Zweig nachfolgte, berufen.
Unser Ortsverband erfreute sich einer außerordentlichen Beliebtheit, die Aufgabe reizte viele junge Männer, was dazu führte, dass wir in der Spitze einmal 1.248 aktive Männer –gestatten Sie den dem militärischen Sprachgebrauch entlehnten Begriff – „unter Waffen“ hatten. Das waren zu einem überwältigenden Anteil Mitarbeiter der lokalen Zechen und aus der Eisen- und Stahlproduktion, Männer, die alle miteinander den Begriff der Kameradschaft schon im Berufsleben leben mussten. Ein solcher „Männerbund“ hatte eine magische Anziehungskraft. Ausbildung war – und das passgenau auf die Wechselschichtpläne der Mitarbeiter ausgerichtet - nur im Schichtdienst möglich.
Stichwort „unter Waffen“: Gerät und Ausstattung gab es (natürlich) nur in recht bescheidenem Rahmen. Es gab ein Moped mit Geräteanhänger, der selbst gebaut wurde und der überwiegend aus „Plaste“ bestand – übrigens bis 1965 im Einsatz und ein Dienstfahrrad – Farbe blau! 100 Bindeleinen, 2 Waldbrandbekämpfungssätze (also Hacken, Schippen und Feuerplatschen) und einer TS 8/8 von der Fa. Brünninghaus 1934 gebaut das war das technische Gerät der ersten Zeit und jede Menge Idealismus
Das Gerät konnten die Aktiven der Gründungszeit locker auf dem einzigen Dienstfahrzeug, dem Moped, verlasten.
1952 konnten die Aktiven des Ortsverbandes die erste Dienststelle beziehen, im DRK- Heim an der Hohenzollernstraße. Die Helfer werden von Beginn an auf die Belange des THW hin trainiert, die praktische Ausbildung fand in der Schreinerei Schaub und Hinske in Körne statt und wurde dann - bei den steigenden Mitgliederzahlen verständlich - zum Baulehrhof der Kreishandwerkerschaft in Körne verlegt
1953 nehmen die ersten Helfer an den Fortbildungsveranstaltungen für Führungskräfte an der Bundesschule in Marienthal/ Ahr teil und qualifizieren sich.
Dies „duale“ System hat sich übrigens bis heute bewährt, Grundausbildung im Ortsverband durch OV – eigene Ausbilder abends und am Wochenende, Fortbildung in Form des Blockunterrichts eine Woche bzw. 14- Tage an den zentralen Bildungseinrichtungen. Abschluß jeweils mit dem entsprechenden Zertifikat, das in weiten Teilen auch heute noch bei der eigenen Entwicklung des jungen Helfers durchaus förderlich sein kann.
Am 1. Januar 1954 wurden vom Bundesvermögensamt die Zollbaracken mit dem anliegenden Gelände übernommen (heutige Berufsschulen), um Dienst- und Ausbildungsstätten zusammenzuführen.
Das THW zog um. Hier konnten wir nicht ganz so lange bleiben. Mit dem Bau der Berufsschulen musste das THW die Zollbaracken räumen, wir zogen bereits 1955 um zum Hohen Wall (Verwaltung) und zum Gneisenaubunker (Gerätelager und Ausbildung). Vier Jahre später konnten wir 1959 die Räume in der Steinstraße (über der ehemaligen Polizeiwache) beziehen, einige Zeit später kam das Nachbargebäude, Steinstraße 40 dazu. Damit hatten wir wieder (für die damalige Zeit) ordentliche Räume für die Verwaltung, für die Ausbildung und auch Lagerräume für Bekleidung und Gerät. Was fehlte waren Garagen, aber so ganz viele Fahrzeuge waren ja auch nicht zur Verfügung.
Wie bescheiden die THW – Helfer eigentlich immer schon (eigentlich bis heute) waren, zeigt die Freude, die im Ortsverband aufkam als wir aus dem Bundesbahnausbesserungswerk Schwerte dort nicht mehr benötigte – und für das Altmetall ausgesonderte Spinde - abholen durften. Damit bekam jeder THW Mann seinen eigenen Spind!
Das erste „richtige“ Fahrzeug war ein K-GKW, Farbe blau, Borgward 105, der von einem Fahrzeug mit 95 PS abgelöst wurde, das den Spitznamen „OMA“ bekam, der 2 Minuten vorgeglüht werden musste, damit er ansprang, exakt nach der Uhr 2 Minuten – ansonsten war die leicht unterdimensionierte Starterbatterie zu schnell überfordert. (Standardfrage: wie viel Männer müssen abgesetzt werden? 35? Klappe auf, gut, der Wagen fasst 36!
ABER, Achtung, der K-GKW hatte bereits damals eine Vorrichtung, die vielen Externen die Vokabel TECHNISCH aus unserem Namen verständlich machten: die Hand- und Kopfleuchten konnten im Fahrzeug geladen werden. Das war nicht selbstverständlich! Ein VW- Bus, der unter einem Schleppdach untergestellt wurde, das jedes Jahr vom I- Dienst repariert werden mußte, bereicherte den Fahrzeugpark. Ein Hannomag AL28 MLW, ebenfalls in THW- blau, ein Funkkommandowagen, Typ Munga 3 mit einem funktionstüchtigen Funkgerät FuG 7 das waren die ersten weiteren Einsatz - Fahrzeuge unseres Ortsverbandes.
Für den Chronisten zunächst überraschend: Ein sogenannter „Modellbausatz“ erweiterte die Ausstattung. Er diente den Aktiven dazu, Schadensszenarien im kleinen Maßstab als Modell u erstellen, um dann mit den Helfern Einsatzstrategien zu erarbeiten.
Ein Fernmeldesatz, verlastet in Kisten, die so schwer waren, dass ein Helfer sie kaum tragen konnte und die regelmäßig zu und nach Übungen in die fünfte Etage der Steinwache verbracht werden mussten. Der FM- Satz führte dazu, dass das THW in Dortmund nunmehr auch auf dem Fernmeldesektor als Leistungsträger bekannt wurde.
Kisten, die so schwer waren, dass ein Helfer sie kaum tragen konnte. Das ist ein Stichwort, das erklärt, warum unser THW so lange Jahre ein fast reiner „Männerbund“ war: Niemand wollte ernsthaft jungen Frauen zumuten, solche Gewichte zu bewegen. Was also passierte, wenn ein Mädel sich bei uns interessiert vorstellte? Wir hatten sofort eine Aufgabe: Versorgung – und damit war die Küche gemeint. Eine Aufgabe, die beim Interesse für eine technische Einrichtung bei der Interessierten jungen Frau in aller Regel nicht intendiert war. Allenfalls noch Verwaltung, ja, da konnten wir uns Frauen auch noch vorstellen.
Aber das änderte sich – wie ich noch berichten werde.
Das THW in Dortmund wurde stärker werdend auch im öffentlichen Bild unserer Stadt sichtbar. Das Westfälische Landestheater führte auf der Bühne im Buschmühlenteich sehr beliebte Veranstaltungen auf, die in hohem Maße technische Hilfe erforderten. Im weißen Rössel, Frau Luna, die Schatzinsel, eine Nacht in Venedig, um nur wenige zu nennen. Zur Schatzinsel war vom THW eine Kogge auf LH- Pontons gebaut worden, die auch von THW – Kameraden (natürlich einsatzmäßig angezogen) während der Vorführungen betrieben wurden. Und so fuhr die riesige Kogge am Abend der Premiere von den (für die Zuschauer unsichtbar) THW- Kameraden gesteuert über den Buschmühlenteich. Die Kommandos wurden via neu angeschaffter japanischer Kopfhörer erteilt, die Übertragungsqualität war suboptimal, jedenfalls fuhr die Kogge falsch. Wind, mangelnde Motorisierung und mangelnde Kommunikation führten im Ergebnis dazu, dass die Kogge entgegen aller Planungen unter vollen Segeln auf die Bühne zufuhr, wo sie absolut nicht hin sollte und schließlich nur durch den körperlichen Einsatz zahlreicher in THW Einsatzanzügen bekleideten Helfer, die plötzlich auch auf der Bühne zwischen den prächtig kostümierten Darstellern herumliefen, gebremst und zu ihrem Bestimmungsort bugsiert wurde. Sie können sich sicher vorstellen, das der Regisseur mit seiner Premiere nicht ganz so glücklich war. Die weiteren Vorführungen verliefen ohne jede Panne, jetzt waren alle ein eingespieltes Team.
Kurioses: Der eben erwähnte Hannomag AL28 MLW wurde abgezogen und Dortmund bekam, weil Sitz einer Geschäftsstelle, einen Magirus- Deutz 120 mit 24 Sitzplätzen (auf der Ladefläche). Dieser LKW war in Deutschland beim THW nicht sehr verbreitet. So kam die Modellbaufirma Fa. Preiser nach Dortmund und vermaß das komplette Fahrzeug als Muster für ein Preiser- Modell. Von diesen Maßen wurde ein Modellauto im Maßstab 1:87,5 hergestellt, das sich bei Sammlern großer Beleibtheit erfreute.
Was nicht bemerkt wurde: Das Modell war einem Unikat nachgebaut worden, dass es so kein zweites Mal gab. Grund war, dass die LKW mit seinem riesigen Aufbau (Plane und Spriegel) nicht in die vorhandenen Garagen passte. Als bauten die Helfer einen Aufbau passend zur Höhe der Garageneinfahrt. Dieser Aufbau hatte nur ca. 60% der Höhe des serienmäßigen Aufbaus – bei der Bemaßung für das Modell war dieser Tatbestand schlicht untergegangen. Und so wurde ein Modell- THW- Auto mit der Bezeichnung Magirus- Deutz 120 mit 24 Sitzplätzen, im Maßstab 1:87,5 hergestellt und vertrieben, das es real nur ein einzige Mal weltweit gab.
Die Ausstattung des Ortsverbandes ging nahezu rasant voran. Gerät und Ausstattung wurden immer professioneller. Auch die Stadt Dortmund half und übergab dem THW mehrere Teleportgeräte, die mehrfach umgerüstet wurden (den wechselnden Frequenzbandbreiten angepasst wurden) und heute teilweise noch funktionstüchtig sind.
Das THW war zur damaligen Zeit Bestandteil des sog. Luftschutzhilfsdienstes und berichtete an das Bundesamt für den Zivilen Bevölkerungsschutz, dass ja nach dem Wegfall des Kalten Krieges aufgelöst wurde; wenn Sie die Diskussion in diesen Wochen aufmerksam verfolgen, werden Sie beobachten, dass ein neues Amt, das zumindest was den Namen des BZS angeht, diesem recht ähnlich klingt und schon nicht mehr nur im Gespräch ist. Wir hatten Bergungsbereitschaften, Fernmeldeabschnitte und Bergungsschnelltrupps. Letzteres ist auch aus der heutigen Zeit betrachtet, eine Sensation, weil es auch da schon um Schnelligkeit, verbindliche Ausbildungsstandards und standardisierte Ausstattung
Die Fahrzeuge, die dann für den LSHD kamen, waren für die Kameraden vor Ort schlichtweg ein Hit. 7 Gerätekraftwagen, 9 Mannschaftskraftwagen, AL 28 Hannomag, Rundschnautzer, und zwei Funkkommandowagen (der eben erwähnte FuKow war ausgesondert worden). Diese Fahrzeuge konnten die komplette Ausstattung nunmehr mobil machen. Die GKW und die MKW waren fabrikneu, wurden an einem Wochenende gemeinsam mit Herrn Ziegenfeuter vom StA 32 von Lübeck abgeholt und dann auf die Stadt Dortmund zugelassen. Das THW war also Besitzdiener, nutzte die Fahrzeuge im Rahmen seiner Aufgaben und pflegte die Fahrzeuge von diesem Zeitpunkt an jeden Samstag auf dem Garagengelände in Dortmund Marten, wo auch der BVS sein Übungsgelände hatte. Diese Fahrzeugpflege am Samstag war Kult; sie war ein Rahmen auch für die Kameradschaftspflege. Teilnahme war ein Muß für die Kameraden und bis zu 70 Kameraden, die freiwillig zur Fahrzeugpflege meldeten, waren keine Seltenheit. Können Sie sich vorstellen, wie diese Autos geglänzt haben? Erhaltung der steten Einsatzbereitschaft von Fahrzeug und Gerät, Aus- und Weiterbildung der Kraftfahrer und der Gerätewarte, Vermittlung des Wissens an junge Kameraden, das waren die Maximen auch des samstags.
Einen der MKW, den DO- 8029, durfte ich übrigens Jahre später als mobile Fernmeldezentrale ausbauen. Ein Art Vorläufer der FüKom, die Sie heute auf dem Gelände sehen mit dem Unterschied, dass ich noch mit Hammer, Schraubendreher und Lötkolben arbeiten konnte, während die Kameraden heute wenigstens einen Messcomputer benötigen, um ihr Equipment zuverlässig betreiben zu können. Das Fahrgefühl, das Sie empfinden, wenn Sie ein solches Auto fahren, muß man erlebt haben – ich träume heute noch gelegentlich von „meinem“ MKW.
Der Ortsverband wurde neu organisiert:
- Führungsgruppe TEL
- Führungsgruppe Bereitschaft
- 6 Bergungszüge
- 1 Instandsetzungszug mit E- Gruppe und Rohr -Gas-, Wasser-, Abwasser- Gruppe
- 1 regionaler Wasseraufbereitungszug (zunächst ohne Gerät)
- 1 Fernmeldegruppe, aus der später die sog. Fernmeldezentrale HVB wurde
- 1 Materialerhaltungstrupp
- 1 Verbrauchsgütertrupp
- 1 Versorgungszug (eigenartiger Weise ohne Feldkochherd – was dazu führte, dass die Erbsensuppe für eine Übung beim Hotel Drei Kronen gekocht wurde) Die Tatsache, dass wir keinen Feldkochherd hatten, führte im Ergebnis Jahre später dazu, dass die Helfervereinigung dem Ortsverband einen gebrauchten Linienbus der Dortmunder Stadtwerke kaufte, der dann in einjähriger, täglicher Arbeit nach Feierabend und am Samstag/ Sonntag zu einer mobilen Küche umgebaut wurde. Jahrelang hat dieses Fahrzeug und vor allen Dingen seine Einrichtung gute Dienste geleistet.
Der Personalbedarf wurde durch diese Neuorganisation zwangsläufig –gediegener Weise auch im Ehrenamt- reduziert, immerhin haben wir bis 1995 noch gegen 450 Aktive in den Büchern geführt und aus- und weitergebildet.
In 7 Einsatzfahrzeuge konnten FuG 7 a eingebaut werden, was uns als Partner für die Feuerwehr attraktiver machte, denn bis dahin hatte der Zugführer bei Einsätzen stets ein paar Groschen bei sich zu haben, um die Leitstelle wenigstens telefonisch zu erreichen, wenn er Fragen oder Anforderungen hatte. Und, unsere THW - Dienststelle wurde ebenfalls mit einem BOS- 4-m Funkgerät, betrieben über einen Hochmast –was damals sensationelle Reichweiten ermöglichte-, ausgestattet. Das ist heute deshalb erwähnenswert, weil die heute vorhandene Kommunikationsvielfalt über die verschiednen Handy- Netze schlicht nicht vorhanden war.
Baumeister Walter Derwald war zwischenzeitlich Ortsbeauftragter und Christfried Seifert Geschäftsführer geworden. Heinz- Walter Ostermann und Frau Kopistecky machten das Team der Geschäftsstelle „rund“. Einsätze erwähne ich noch, aber dass die Ausstattung im Dortmunder THW noch nicht in allen Bereichen optimal war, zeigte sich beim Emscher – Hochwasser hier in Dortmund, als wir mit unseren Schmutzwasserkreiselpumpen, die z.T. 400 l Wasser pro Minute förderten, einen vergleichsweise aussichtslosen Kampf kämpften. Da bemerkten wir auch leidvoll, dass es selbst im Binnenland gelegentlich hilfreich sein kann, wenn man auch auf Wasserfahrzeuge sehr schnell zurückgreifen kann.
Damals wie heute helfen wir auch gerne außerhalb von Unglücksfällen und Katastrophen. Ein schönes Beispiel sind einige Kinderspielplätze hier in Dortmund aber auch eine Brücke im Niederhofener Wald, die wir gebaut haben und die heute noch steht, ihr 30 Jähriges hat diese Brücke auch schon hinter sich!
Aus und Weiterbildung hatte stets und hat noch heute einen hohen Stand; die Vermittlung des eigenen Wissens durch erfahrene Kameraden an junge Menschen. Beim Blick in die Historie stellen sich dennoch Unterschiede dar. Früher hatte kaum jemand ein eigenes Fahrzeug. Somit war das Bedürfnis, auch nach der Ausbildung im Kreis der Kameraden noch ein Bier zu trinken, deutlich ausgeprägter als das heute ist. Für die ganz „Alten“ sei nur beispielsweise und sehr leise an die Gaststätte Bollermann an der Steinstraße erinnert, oder auch die legendären Treffen der Helfer unseres I- Zuges am Dienstag Abend, zu deren Teilnahme man sich als neuer Helfer erst einmal intensivst qualifizieren musste, ehe man überhaupt zur Teilnahme zugelassen wurde.
Sehr bald erweiterte ein Stromerzeuger mit 30 KVA, was damals eine gewaltige Leistung war (zum Vergleich: wenn ich heute nach einem Stromerzeuger gefragt werde, biete ich 175 KVA), unseren Gerätepark, Steckmasten waren schnell besorgt, aber die Leuchtmittel waren ein Problem. Die haben wir bei der Gutenhoffnungshütte in Duisburg in schwindelerregender Höhe bei einer dortigen Umstellung auf eine andere Technik ausgebaut und jahrzehnte lang hier eingesetzt . Eine „verlagerte Standortausbildung“ wie diese war so offensichtlich so interessant, dass beispielsweise das Amt für öffentliche Ordnung komplett mit zur Übung fuhr.
1971 wurde unser Ortsverband durch den Besuch des damaligen Bundespräsidenten Dr. Gustav Heinemann geehrt, der sich „sein Kind“ THW auch als höchster Repräsentant dieses Landes einmal aus der Nähe ansehen wollte. Im Westfalenpark hatten wir gemeinsam mit Präsidenten und seiner Begleitung einen tollen Tag. Dass wir als Kinder des Ruhrgebietes keine Berührängste haben zeigt der fast wörtlich überlieferte Dialog zwischen Kamerad Poggoda und Dr. Heinemann:
Poggoda: Herr Bundespräsident, ich weiß ja nicht, ob Sie der richtige Mann an der richtigen Stelle sind, aber das will ich Ihnen heute mal sagen, diese popeligen Boschbohrhämmer, das reicht ja nicht aus, damit kann man doch beim Einsatz nichts reißen. Was wir für unseren Einsatz brauchen, das sind Kompressoren, kleine, wendige Kompressoren und Aufbruchhämmer mit Luft, damit wir schneller und effektiver helfen können.
Der zuständige Ministerialdirigent erstarrte zur Salzsäule und wurde puterrot als ihn der fragende Blick des Landesvaters traf. Eine solche Ansprache des Staatsoberhauptes hatte das Protokoll nicht vorgesehen. Ob nun mit oder ohne intensives weiteres Tun von Dr. Heinemann, ich weiß es nicht. Jedenfalls bekam das THW in Dortmund in Rekordzeit einen hochmodernen Schrauben- Luftkompressor, 30 m Schlauch und drei überschwere Bohrhämmer und für mich damals unvorstellbar, mit Lampen, die durch Luft zum Leuchten gebracht wurden. Der Rest war eine Kleinigkeit. Die Kameraden aus dem Ortsverband besorgten in Windeseile Flottmänner, das sind die leichteren und noch effektiveren Bohrhämmer, die fehlenden oder erträumten Bohrspitzen wurden zum Teil im Ortsverband selbst geschmiedet. Der Kompressor wird in unserem Ortsverband bis heute liebevoll „Heinemann- Kompressor“ genannt. In zahllosen Übungen und Einsätzen hat er sich bis heute bewährt; mir ist in sehr lebhafter Erinnerung der Umbau des Bunkers an der Leipziger Straße, in den ich später die Fernmeldezentrale beim Hauptverwaltungsbeamten einbauen durfte.
In der Nachbereitung des Besuches des Bundespräsidenten im Haus Schroer „Hohensysbug“ am frühen Abend des Besuchstages wurde gemeinsamen mit den Vertretern des Landesverbandes die Notwendigkeit einer neuen Unterkunft so konkret diskutiert, dass ab da tatsächlich mit der planerischen Vorbereitung begonnen wurde. Walter Derwald hatte daran keinen kleinen Beitrag.
Um das THW im öffentlichen Bewusstsein präsent zu machen, haben wir in der Vergangenheit auch Veranstaltungen, die im Weitesten von der Stadt Dortmund initiiert bzw. begleitet wurden, betreut wie z.B. die 49% Wanderung oder auch zahlreiche Radrennen. Aber auch bei der Fußballweltmeisterschaft in Dortmund und beim Katholikentag in Düsseldorf war unser Ortsverband gesetzter Partner der Organisatoren. Bei den Sicherungsmaßnahmen auf der Hohensyburg lange vor dem Bau des Casino haben wir an der Teufelskanzel beim Bau der Sicherheitsabsperrung maßgeblich geholfen.
Ein Großgerät möchte ich noch erwähnen, weil Sie seinen Nachfolger heute im Einsatz sehen: Der Ahlmann, eine Art Bagger, der zwei ärgerliche Herausforderungen hatte: zum Einen musste der Fahrer noch richtig arbeiten (heute können sie das Nachfolgemodell mit einem Joystik bedienen) zum Anderen war in die Hydraulik ein Scherstift integriert, der als Sollbruchstelle diente und verhindern sollte, dass bei Überlast ein Schaden entstand. Die Fahrer des Gerätes waren regelmäßig ziemlich fertigt, wenn sie längere Zeit das Gerät bedient haben und die Scherstifte setzten mit schöner Regelmäßigkeit das Großgerät still.
Für das THW war dies Gerät aber eine echte Bereicherung – und wenn Sie den Zettelmeier von heute sehen, werden Sie verstehen, warum ein solches Gerät uns völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat.
Im Ortsverband wurde eine Trinkwasseraufbereitungsanlage Typ Berkefeld und später eine Kruppanlage stationiert, die beide wunderbar funktioniert haben. Im Rahmen einer Vorführung auf dem „Dortmunder Herbst“ hatte ich die Moderation, was ich theoretisch möglicher Weise ganz gut gemacht habe (die Zuschauer blieben jedenfalls bei uns). Aus Brackwasser, das wir aus einem ziemlich umgeschlagenen Teich förderten wurde vor den Augen von einigen Hundert Zuschauern kristallklares Trinkwasser produziert.
Bis dann ein Zuschauer mich mit lauter Stimme aufforderte: das soeben produzierte Wasser probeweise auch zu trinken. Als ich den Verantwortlichen hilfesuchend anblickte – das war nicht abgesprochen – zuckte dieser mit den Schultern – und ich trank. Trank in dem Vertrauen, dass die Kameraden schon alles richtig gemacht haben. Ich habe ohne Durchfall überlebt.Die Fähigkeit des THW, aus Brackwasser Trinkwasser zu erzeugen hat ihm übrigens in Afrika den Namen „The Water People“ eingebracht.
Unser Geschäftsführer Seifert verließ uns in Richtung Duisburg, Hans – Dieter Pfeiffer wurde sein Nachfolger, ihm folgten Lothar Schaper, Walter Sünning und Hermann Zickermann. Heute ist Walter Aperdannier unser GF.
Nach Walter Derwald wurde Walter Lennertz der Chef des Ortsverbandes, dem Hubertus Peters als kommissarischer OB, Dr. Jürgen Zilius und dann Peter Weiler als Ortsbeauftragte nachfolgten.
Häufig zog der Ortsverband Dortmund um. Die Steinwache sollte einer neuen Nutzung zugeführt werden, die Trennung zwischen Unterkunft und Garagengelände wurde stärker werdend kontraproduktiv. Im Einsatzfall fuhren die Helfer zur Unterkunft, um sich umzuziehen und dann nach Marten, um die Einsatzfahrzeuge zu erreichen. Auch für eine Hilfeleistungsorganisation, die nicht für den Erstangriff da ist, ist eine solche Organisationsform ein Anachronismus:
Am 4. Dezember 1975 um 15:00 Uhr wurde der Grundstein zu unserer heutigen Unterkunft gelegt.
Die Urkunde, die im Eingangsbereich in den Grundstein eingemauert ist, weist darauf hin, dass das THW aufgrund der Stadtsanierung seine Dienststelle Steinstrasse räumen muß, und dankt der Stadt, dem Land und dem Bund für seine Unterstützung beim Suchen –und Finden der neuen Liegenschaft.
Bereits am 25. März 1976 wurde der Richtkranz aufgezogen und schon am 5. Juli 1976 die Übergabeverhandlung geführt; das Gebäude wurde vom Finanzbauamt dem THW übergeben.
Wir zogen dann um, nahmen Besitz von unserem neuen Heim und gaben zum Jahreswechsel auf 1977 das Garagengelände in Marten und die Büroräume in der Steinstraße auf. Da die Unterkunft für einen Ortsverband dieser Größe deutlich zu klein war, haben wir selbst noch angebaut, eine I- Dienst- Werkstatt und eine Jugendgruppenraum sehen Sie am Ende des Parkstreifens auf der rechten Seite..
Heute, also weitere 27 Jahre später haben wir hier mehr als 30 Fahrzeuge stationiert und sind gegen 280 Aktive, organisiert in 4 Technischen Zügen und mehreren Fachgruppen. Gegen 280 Aktive sage ich, weil unsere Hilfsorganisation zum Jahreswechsel auf 2004 eine neuerliche Neuorganisation schultern wird. Für unseren Ortsverband heißt das, dass wir Ende des nächsten Jahres zwei Technische Züge, eine Bergungsgruppe und einige weitere Fachgruppen stellen werden. In NRW wird unsere Hilfsorganisation gegen 52 Technische Züge abbauen. Heute ist nicht der Tag, dies kritisch zu hinterfragen – dazu gibt es andere, bessere Gelegenheiten, deshalb halte ich mich zu diesem Thema sehr bewusst zurück, Sie können sich aber vorstellen, dass diese Entwicklung mir gelegentlich schon Probleme bereitet.

Im Prinzip bin ich in der Gegenwart angekommen.THW das ist die Zusammenarbeit von Hauptamt und ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger, die ihre Zeit und ihr Geld für eine staatliche Organisation aufbringen, was Vorbild sein kann für viele Bereiche unseres Lebens. Der Gedanke der Selbstorganisation ist ansatzweise auf die Behörde übertragen worden. In seiner Struktur vereint sich das ehrenamtliche Element einer Hilfeleistungsorganisation mit dem staatsanbindenden Element hauptamtlicher, zentraler Verwaltung.
1990 trat das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Helfer der Bundesanstalt THW in Kraft und ab da hat unser THW drei gesetzlich fixierte Aufgaben,
• Technische Hilfeleistung im Zivilschutz
• Technische Hilfeleistung im Ausland im Auftrag der Bundesregierung
• Technische Hilfe bei der Bekämpfung von Katastrophen und Unglücksfällen größeren Ausmaßes auf Anforderung der für die Gefahrenabwehr zuständigen Stellen.
Die ehrenamtliche Basis gliedert sich in Deutschland in 665 Ortsverbände und ca. 70.000 ehrenamtlich tätiger Männer und Frauen. Ach ja die Frauen – Sie erinnern sich an die schweren Kisten.
Das Gerät ist moderner und leichter geworden, die Hilfsmittel sind pfiffiger geworden, betrachten Sie nur unseren 10m/to- Kran. Und damit war eine vermeintliche Männerdomäne gestürmt. Heute sehen Sie hier und heute, wie unsre Mädels Fahrzeugpflege betreiben und mit dem technischen Gerät genau so umgehen, wie die Kerls. Die Förderung von Mädchen und Frauen ist heute eines unserer Ziele. Tatkräftig, hochmotiviert, weitsichtig, auch das könnte THW bedeuten. Drei Aufgaben hat das THW heute, sagte ich drei Standbeine haben wir auch:
• Das ist die Bundesanstalt, die wir heute feiern,
• das ist die Helfervereinigung e.V., die uns alle permanent ideell und auch finanziell unterstützt und
• das ist die THW Jugend, in der Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren spielerisch an das THW herangeführt werden.
Auch wir in Dortmund haben eine Jugendgruppe, übrigens eine der ersten Gründungen in dieser Republik. Unsere Jugendgruppe ist heute zugegen, vielleicht haben Sie die Zeit, auch dort einmal sich anzuschauen, mit welchem Eifer die Jugendlichen bei der Sache sind. Und wir denken weiter. Testweise wollen wir Kidsgruppen betreuen, um auch in der Zeit vor dem 12. Lebensjahr Interesse für planmäßige Freizeitgestaltung und möglicher Weise sogar für die Hilfe für den Nächsten zu wecken.
Einsätze: Niederlande, Zugunglück im Dortmunder HbF, Gasexplosion in Dortmund Aplerbeck, Hochwassereinsatz in Lippstadt, Türkei, Hochwasser in Dortmund, Hochwasser in Bonn, Gasexplosion in Dortmund Barop, Sturmschäden in Dortmund, Schneeräumen in Dortmund, Smog- Einsatz, Frankreich (Sturm Lothar), Mexico Stadt, Afrika, Einsätze des Bergungsräumgerätes auf Anforderung der Feuerwehr, Hilfe bei der Stromversorgung und beim Ausleuchten von Schadensstellen, Elbe und Oder in der jüngsten Zeit.
Wie geht das? Natürlich haben die Arbeitgeber ein Problem, wenn ich einen Helfer brauche. Für Spontan- Einsätze ich Dortmund ist das in der Regel kein Problem. Wir sind mit Funkmeldeempfängern vernetzt und erreichen deshalb kürzeste Alarmierungszeiten. Bei einem Einsatz im Ausland ist das schon schwieriger – weil zeitaufwendiger. Bei Elbe und Oder haben die Helfer bis zu 14 Tagen vor Ort geholfen, bis wir sie ausgewechselt haben. Das beschreibt die Probleme, die jeder Arbeitgeber mit dem HELFEN des Nächsten haben kann. Deshalb heute auch von dieser Stelle ein Dankeschön in Richtung aller Arbeitgeber unserer Helfer.
Wenn ich mich erinnere, dann fallen mir auch Kameraden ein, die heute leider nicht mehr bei uns sind. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit denke ich dabei aus der jüngeren Zeit an Walter Kruse, Franz Birkner, Albert Schwerdt, Heribert Koll, Karl Grüterich, Walter Lennertz, Ulrich Bredemann, Hermann Zickermann.
Wie gesagt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber gerade diese Namen haben wir auch heute noch recht regelmäßig in unserem Vokabular, weil sie Zeichen für den Ortsverband gesetzt haben – und weil sie eigentlich noch präsent sind!
Danken möchte ich schließlich auch den Familien, den Angehörigen denn wenn ein junger Mann, eine junge Frau sich das THW als Hobby aussucht, dann hat die Familie zwangsläufig Anteil. Und dieser Anteil ist gar nicht so klein.Auch Ihnen, liebe Angehörige, meinen herzlichen Dank!
Blicke ich in die Zukunft, sehe ich das im Entstehen begriffene Komponentenmodell, das das THW zu einem noch schlagkräftigeren Partner machen wird. Der Ortsverband ist nicht mehr isoliert zu betrachten. Im Prinzip stehen alle Ortsverbände im Anforderungsfall zur Verfügung. Und das macht Mut, Mut dem THW auch noch das nächste Jahrhundert zuzutrauen.
Und das wünsche ich Ihnen und uns und diesem THW- Ortsverband – zunächst einmal weitere so erfolgreiche 50 Jahre – und dann sehen wir weiter, wenn ich (oder vielleicht besser ein Nachfolger) die Laudatio im Jahre 2051 hält und in die nächste 50 Jahre blicken wird.
Danke, dass Sie mich auf meiner Reise durch 50 Jahre THW in Dortmund begleitet haben.
Glück auf!
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© Bundesanstalt THW Ortsverband Dortmund